Xian | 03.08.2018

Ni Hao,

gerade bin ich wieder zurück zu unserer Unterkunft gekommen und habe unseren anstrengendsten Tag hinter mir.

Unglaublich, was uns unsere chinesischen Gastgeber_innen heute zugemutet haben.

Also wir wollten um 8 aufbrechen, dann hieß es 9 um schließlich mit großer Hektik um 7.50 loszufahren; 5 Autos mit je 6 Menschen und getönten Scheiben.

Los ging es mit 2 Ferienwohnung von Meister Lü zu besichtigen, von denen er noch 160 weitere hat.

Dann kam ein Museum älterer Zeit, gefolgt von einem Ausflug in die Berge, wo wir einen Biohühnerhof, wieder von unserem Gastgeber , besichtigt haben und ein Ei gegessen haben;-).

Als nächstes auf einem anderen Berg eine große Grabstätte eines Kaisers, der seine Gefolgsleute, zwischen 100 und 1000 Menschen plus Tiere mit sich lebendig begraben lies.

Nächste Station war ein Dorf auf alt getrimmt, wo wir Mittag gegessen haben und dann durch die Straßen gezogen sind. Ein Genuss für die Nase, alle 2 Meter ein anderer Geruch, dort haben einige von uns Skorpione zu sich genommen. Dort gab es einen reinen Chili Laden, dessen Nähe schon gereicht hat, dass ich nicht mehr aufgehört habe zu husten.

Neben erstem einkaufen, sind wir in einem Teehaus gelandet. Der Tee war toll, wir schütten hier jeden Tag literweise Tee in uns. Mache ich zu hause auch, nur sind dort die Tassen größer;-).

Dabei haben wir noch für 5 Euro eine halbstündige prima Massage bekommen. Während dessen haben 2 DJs mit Opiumpfeifen im Mund Musik gemacht. So wie die getanzt haben, muss aber etwas anderes als Opium in den Pfeifen gewesen sein.

Meine Tattoos waren ein gefragtes Fotomotiv, so wollte sich einer unserer Begleiter unbedingt mit mir mit freiem Oberkörper fotografieren lassen. Fand es schon merkwürdig, auch wenn ich es gemacht habe.

Dabei fällt mir noch ein, dass gestern Abend mein Masseur, 75 Minuten zu spät kam und mich dann für 15 Euro 70 Minuten verwöhnt hat.

China, das Land der Überraschungen, die ganze Zeit.

Nach dem Dorf sind wir in ein Zentrum der Partei gefahren. Da ich in der BRD sozialisiert bin, hat mich dass Ausmaß der Fahnen, Maos etc., irritiert.

Sie haben uns durch unendlich Räume von Fotos geführt, u.A. mit grauenhaften Bildern aus Kriegen zwischen China und Japan. Da war die Massage direkt wieder weg.

Ich würde nie jemand bei uns ohne Hintergrundwissen und Sprachkenntnisse durch eine Ausstellung über die Shoa führen. Ich will es damit nicht politisch vergleichen, sondern nur ein Beispiel von heftigen Bildern nehmen

Ich und einige Andre haben es zum Glück noch relativ früh gemerkt, so dass ich noch weggucken konnte. Das was ich gesehen habe reichte um direkt beim üben im Auto wieder aufzutauchen. Sie haben uns auch einen Film über die Entwicklung Chinas in chinesischer Sprache, mit chinesischen Untertiteln gezeigt…

Wir wurden viel fotografiert und selbstverständlich für Partei Zwecke eingebunden, was hier selbstverständlich ist.

Gerne spreche ich mit euch auch im direkten Kontakt, was ich zum politischen China so denke.

Leider waren zumindest auch einzelne politische Statements aus unserer Gruppe für mich auch nicht grade herzerwärmend.

So bin ich jetzt platt wieder hier, habe noch zweieinhalb Stunden Zeit zum regenerieren von der chinesischen Fülle, bevor ich mich morgen wieder in den Traingsalltag stürze.

Auch so und 40 Grad hatten wir auch und ich weiß nicht, wie viele Stunden wir heute im Auto gesessen haben.

Allerliebste Grüße und ich freue mich gerade euch zu schreiben, denn dadurch kläre ich mich ein wenig, verarbeite und komme wieder mehr bei mir an.

Jan