Xian, 18.8.2018

Xian, 18.8.2018

Noch ein letztes mal ni hao in die Runde,

es gibt auf dem Zimmer kein WLAN mehr, daher kommen weniger Berichte von mir.

Vorgestern haben wir eine Schülerin vom Meister besucht, eine Bagua Meisterin. Sie hat eine große Schule, war speziell mit Nationalhymnen zum Beginn.

Danach waren wir shopen in Xian, auf einem „Markt“. Er war ein Kaufhaus mit 100 ten Geschäften auf jedem Stockwerk, Es gab einfach Alles dort, von Schrott, über Edles bis Skurriles.

Mit der Stadt, dem Verkehr, dem Lärm, der Luft und vielem weiterem komme ich nicht klar.

Es betrübt mich zu tiefst, dass sehr viele Menschen weltweit so leben müssen.

Und ich muss die Menschen, die ich dort kenne, den Sohn vom Meister, Shen Rui und seine Frau Dian Dian, mal interviewen, wie sie dort leben.

Gestern hatte wir spontan Unterricht von verschiedenen Meister_innen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen:

Bagua war schön anzusehen, aber nicht auf der Stelle zu lernen.

Wushu war fremd und auch eher nichts für mich.

Taiji Chen Still, war nichts für die Knie und gut dafür zu wissen, warum ich Taijidao übe.

Xingyi war sehr cool, in aller Kürze gab es eine Schlangenform und eine Partner_innenform zu lernen.

Alle Meister_innen waren sehr gut in ihren Fähigkeiten, sonst wären sie ja auch keine Meister_innen;-), nur was sie uns wie vermittelt haben und wie es zu unseren individuellen Bedürfnissen passte, war sehr unterschiedlich.

Ansonsten möchte ich nochmals eine Hohelied auf meinen tollen Mitbewohner singen. Ich habe eine neuen Freund gefunden. Ohne die vielen und intensiven Gespräche, weiß ich nicht, wie ich die Reise überstanden hätte.

Heute stand die große Hochzeit an, war vom Format wirklich bombastisch. Das Paar und der Meister haben geweint und selbst ich, der kein Freund von Hochzeiten ist, war berührt.

Ansonsten gab es feistes Essen, viel Alkohol und wieder sehr viel Fotos und erneut spontane Kampfkunstaufführugen.

Auf der Rückfahrt haben wir das erste mal in drei Wochen, einfach quasi bei vor uns vor der Haustür angehalten. Wir durften uns nicht außerhalb des großen Geländes selbstständig bewegen.

Das Leben im Dorf war schlicht und arm, die Menschen neugierig und freundlich. Dort wie auch hier gegenüber den Angestellten hatte und habe ich ein unangenehmes Gefühl aufgrund meiner Privilegien.

Morgen geht es zurück, ich bin voller Vorfreude auf ganz vieles, am meisten auf meine Kinder und auf freie Zeitgestaltung.

Ich danke euch sehr für eure Aufmerksamkeit, eure Mails und die Verbundenheit zu euch.

Hiermit schließe ich den Chinareiseblog 2018, vielleicht kommt noch ein Nachtrag und bestimmt Fotos.

Ich würde mich freuen, euch zahlreich bei der einen oder anderen Übungsmöglichkeit wieder zu sehen.

Mit Liebe und Dankbarkeit,

Jan

Xian, 15.8.2018

Xian, 15.8.2018

Ni Hao ihr Lieben,

so, jetzt habe ich einige Tage nichts von mir hören lassen und hole nun die letzten Tage nach.

Aber erst ein mal: Danke für eure Glückwünsche!

Am Sonntag Abend gab es eine Abschiedsparty mit den chinesischen Schüler_innen.

So ein festliches Büfett wie da, habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Was wohl dann erst bei der Hochzeit am Samstag aufgetischt wird…

Der Abend war bunt und unterhaltsam, von einer Opernsängerin, die beim singen im Auto im Kreis gefahren wird, über viel spontanes Xingyi Quan und Bagau Zhang üben, bis hin zum unvermeidlichen Karaoke singen.

Am Montag hatte ich und einige Andere das unverhoffte Vergnügen einem 61 jährigem Xingyi Meister und seinem Sohn, der ebenfalls Meister ist, Fragen stellen zu können und vielen Erzählungen lauschen zu können.

Gestern waren wir an dem Ort, an dem wir eigentlich hätten üben sollen, dem Kloster An Lu Gong.

Es ist eines der Ursprungsklöster des Nei Dan Gong. Es war so schön und berührend, direkt als wir angekommen sind, war es als hätte jemand die Lautstärke von uns runter gedreht. Es lag in den Bergen, sprich endlich mal gab es gute Luft zum durch atmen. Für mich war es wie ein ganz tiefes nach Haus kommen, bei dem die Tränen flossen. Das Qi dort war sehr intensiv, habe dort eine Stunde geübt, hat sich während dessen und danach angefühlt, wie eine Woche. Falls ich mir weitere Chinareisen an tun sollte, dann bitte hier!

Der daoistische Mönch Meister Li, hat unserer Dolmetscherin Akupunktur wegen ihrem angeschwollenem Fußknöchel gegeben und wir konnten innerhalb von Minuten sehen, wie der Fuß abschwoll.

Was für mich sehr ungewohnt war, in der Mittagshitze Schnaps in größeren Mengen aus Wassergläsern zu trinken.

Habe ich auch ausprobiert;-).

Anschließend waren wir noch in einem weiteren, allerdings sehr großen Kloster, Louguantai. Dort soll das Buch der Wandlungen, das I Ging, geschrieben worden sein.

Ich weiß nicht, ob es am Schnaps oder an der Hitze oder an der Kombination von beidem lag, bei mir und den meisten Anderen war die Luft raus.

12 Stunden Ausflüge mit 5 Stunden Busfahren bei extremer Hitze kostet viel Qi.

Deshalb bin ich sehr dankbar, dass unsere letzte Woche so aussieht, dass wir immer einen Tag Programm haben und einen Tag frei.

Die hier erlernten Übungen sind wunderbar, so haben gestern Abend 90 Minuten üben gereicht, um mich von dem anstrengendem Tag zu erholen.

Das Ritual wirkt auf interessanten Ebenen nach. Vorletzte Nacht habe ich von Schwarzmagie und Hexenverbrennungen geträumt, ich war natürlich auf der Seite der Guten;-).

Trotzdem haben mich die heftigen Bilder durch den ganzen Tag begleitet. Vorhin beim üben habe ich von Baumgeistern geträumt.

Überhaupt ist es für mich angenehm und fühlt sich ganzheitlicher an, dass mir meine Träume hier bewusster als zu Hause sind.

Nun kommt ja so langsam der Endspurt, 2 von uns sind am Montag schon zurück geflogen und ich freue mich auf zu Hause.

Wie formulierte es vorhin eine Mitreisende, dass Beste ist, sich aufs Wegfliegen zu freuen und sich dann wieder auf zu Hause zu freuen.

Herzensqi und bis bald,

Jan

Xian, 11.8.2018

Xian, 11.8.2018

Guten Abend ihr Lieben,

heute bin ich platt, aber der Reihe nach. Nach dem unvergleichlichen Vormittag gestern, hatten wir nachmittags 4 Stunden frei, um Abends mit den chinesischen Schüler_innen des Meisters gemeinsam die 13er Form aus dem Taiji zu üben.

Und es ging quasi überhaupt nicht, wie morgens vorm Ritual lautstarke und chaotische Diskussion, wie denn jetzt die Form zu laufen wäre.

Dabei stellte sich erneut raus, was sie für einen Hang zum Militärischem haben. Sie konnten gar nicht glauben, dass wir nicht marschieren können. Von uns war überhaupt nur einer bei der Bundeswehr.

In China wird in allen Altersklassen marschieren geübt, es beginnt mit 3 Jahren in der Kita und wird ganz klassisch mit Eins Zwo, Eins Zwo auf chinesisch begleitet.

Das wir 17 in dem Moment uns mit der ungefähr gleichgroßen Gruppe Chines_innen überhaupt auf ein gemeinsames Bewegungstempo einigen konnten, ging ein wenig besser mit Vortuner und richtig erst mit zackigen Kommandos.

Heute haben wir das andere China kennen gelernt, was ich gut von vor 2 Jahren kenne. In Aller frühe in die Riesenstadt gefahren, mit für mich nie gesehen Häuserschluchten, Smog, Dreck, Lautstärke.

Um uns dann in noch heißerer Sonne mit 1000 Taijiübenden zu einem Gruppenfoto aufzustellen und dann anschließend nicht enden wollten Bewegungsabfolgen zu sehen. Damit ihr mich nicht falsch versteht, ich schaue gerne 2 Stunden oder so schönes Taiji, dynamische Wuschu Kindervorführungen und exotische Waffenformen an. Aber nicht den ganzen Tag! Abgesehen von einer 90 Minütigen Mittagspause in der wir mit 50 Leuten Essen waren, lief von 9 bis 17 Uhr durchgehend Formen, je 3 bis 4 Minuten lang.

Die Veranstaltung ging noch bis 22.30 so weiter…

Ich bin da auch 2 mal angetreten, also wenn nicht noch ein Wunder passiert, werde ich in diesem Leben nicht mehr ein Freund der Vorführungen.

Einige von uns machen morgen, dass gleiche nochmal mit Waffenformen, aber ich und andere haben FREI!

Das benötige ich dringend, bisher gab es unendlich viel Input und sehr wenig Zeit zum verdauen.

So hat dieser geballte Tag die Ereignisse und meine Emotionen von gestern, völlig beiseite geschoben.

Morgen will ich für mich üben und forschen, was dieser Wandel in mir bewirkt hat.

Gestern Nachmittag hatte ich den Eindruck, dass ich leicht tiefer in die Übungen eintauchen kann und dabei deutlich mehr Energie hatte.

Heute Nacht habe ich unruhig geschlafen, ich habe ganz viel ungewohntes und neues geträumt, wenn auch mit westlichen Themen und ich hatte den Eindruck, dass verschiedene Seelenanteile von mir mit Integration beschäftigt waren.

Herzliche Grüße und eine gute Nacht,

Jan

Xian, 10.8.2018

Xian, 10.8.2018
Ni Hao,
ich glaube ich werde hauptberuflich Blogschreiber;-).
Im Ernst, ich kann die Fülle eurer Mails gar nicht fassen. Ich schreibe wirklich extrem selten, hauptsächlich Seminarankündigungen;-), und dass was ihr mir schreibt, wie meine Worte bei euch ankommen freut mich total. Die Einen freuen sich auf neue Fortsetzungen meiner Serie, die Anderen lesen es gleich der ganzen Familie vor…
Heute Nacht habe ich von einem anderen großen Tor geträumt, meinen Umzug aus dem Münsterland nach Berlin.
Ansonsten habe ich die zweite Nacht im neuen Zimmer, mit sehr harten Matratzen und vor einem aufregenden Tag erstaunlich gut geschlafen.
Habe jetzt schon seit einer Woche immer das Frühstück ausgelassen und Abends um 19 Uhr, das letzte mal etwas gegessen und es bekommt mir sehr gut.
Auch aufstehen, einmal aufs Klo und dann für mich loslegen ist Prima.
Meine Mitstreiter_innen haben sich teilweise heute mehr für unsere Vorführungen in den nächsten beiden Tagen interessiert, als für das anstehende Ritual.
Der Meister hat uns heute morgen nochmal eben mit der Essenz von 10 Tagen Unterricht bombardiert, war saugut und irre viel, aber ich habe mich sehr fokussiert und so hoffe ich, dass ich alles mitgeschnitten habe.
Danach brach das chinesische Chaos über uns hinein. Eigentlich sollten wir eine Einführung in den Ablauf des Rituals bekommen, statt dessen viele laute Chines_innen, die sich über den spontan immer wieder veränderten Ablauf austauschen. Sehr schön anzusehen, kreativ und lebendig.
Bei dem Ritual waren zwei Zeiten vertreten, ganz viel altes China gemischt mit Handy geklingel.
Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein Riesenschritt für mich:
„ DER BERG HAT SICH GEÖFFNET UND SCHÜLER_INNEN ANGENOMMEN“, so heißt es traditionell. Sprich 17 meiner Mitreisenden und ich sind angenommene Schüler_innen von Meister Shen Xijing!
Natürlich war ich sehr aufgeregt, viel Adrenalin, aber ich bin weder gestolpert, noch habe ich eingepullert ;-).
Es ist jetzt 2 Stunden her und es braucht noch viel Zeit für mich zum realisieren. Nur eins weiß ich schon, ich hätte bei meinem Lebensweg nicht damit gerechnet so etwas erleben zu dürfen. Und es ist erst der Anfang von etwas, was sich meine Vorstellung in nur ganz kleinen Schritten ausmalen kann.
Zur Vorbereitung habe ich wunderschön spontan mit vielem was da war geübt und dabei ist mein Herz weit nach vorne gekommen, so sind viele von euch heute schon durch mein Herz gezogen und besonders auch die Menschen, die ich geliebt habe und die bereits gestorben sind und als aller Erstes waren da meine Kinder.
Alles was ich jetzt noch hier erleben darf, ist Dreingabe. Ich nehme viel mehr mit, als ich zu hoffen gewagt habe.
Und ich bin voller Vorfreude, wie sich dieser Wandel zu Hause anfühlt für mich und mit euch.
Ich sende euch kräftiges Fuxi TaijiDao Qi.
Jan
P.s. : Das mir beim schreiben die Tränen gekommen sind, habt ihr wahrscheinlich gemerkt, oder?!

Xian, 8.8.2018

Xian, 8.8.2018

Ni Hao,

heute ist Halbzeit und es geht mir gut. Im Vergleich zu meiner Reise vor 2 Jahren geht es mir eigentlich in allen Bereichen besser.

Ich habe einen tollen Zimmerkollegen, regelmäßige Verdauung, viele nette Menschen in der Gruppe, keine laute und hektische Stadt um mich, leckeres und sehr gut verträgliches Essen, Tobias, der sehr viel und gut übersetzt, komplexe Trainingsinhalte, die mich fordern und viel Raum und Perspektive für Neues bieten, Klimaanlagen, die mich schlafen lassen, undundund

Hier steigt die Spannungskurve gerade beachtlich:

Wir mussten heute unsere Zimmer gegen noch luxuriöse tauschen. Sind jetzt mit Eckbadewanne (wie bei mir zu Hause), 100 te von Euro teuren Tees als Dekoration und wirklich unglaublich schick. Ihr werdet bei Gelegenheit Fotos betrachten können. Ich werde in Berlin erst mal Zeit brauchen, mich an meinen gewohnten Habitus wieder zu gewöhnen. Wir werden rund um die Uhr in allen Bereichen mit den edelsten Sachen umsorgt.

Unsere alten Zimmer wurden gebraucht, da 100 Menschen anreisen und quasi als Zeug_innen bei unserem Ritual anwesend sein werden.

Meister_innen von verschieden Künsten, so fertig z.B. eine Kalligraphiemeister unsere Ernennungsurkunden an, der heute einem von uns eine Kalligraphie geschenkt hat, die laut Meister Shen Xijing, in China so viel kostet, wie eine Eigentumswohnung.

Was wir am Freitag erleben werden dürfen, ist so groß, wie Weihnachten, nur viel größer und liegt im Moment noch weit außerhalb meiner Vorstellungskraft.

Ein Riesengeschenk, eine große Veränderung, Europäer_innen in der Traditionslinie, wie viel Wertschätzung uns entgegen gebracht wird, welch ein Respekt!

Falls ich es verarbeitet bekomme und mich hoffentlich in irgendeiner Art und Weise ausdrücken kann, werdet ihr von mir hören.

Am Wochenende steht dann ein großes Taijitunier an, an dem 1000 Menschen aktiv dran teilnehmen werden, sprich eine Form laufen werden.

Ich habe ja letztes mal auch schon einige Vorführungen mitgemacht, aber dieses ist nochmal deutlich größer, aber ist im Moment angesichts der bevorstehenden Bai Shi Zeremonie noch völlig im Hintergrund.

Wenn ihr mögt, denkt mal am Freitag an mich/ uns. Die genaue Uhrzeit müssen noch die Sterne aufzeigen, bzw. das I Ging. Wenn ihr an mich denken wollt, bedenkt bitte, dass China Deutschland 6 Stunden im voraus ist.

Ach so, wir haben heute ausführlich über alle Fragen und Unsicherheiten gesprochen. Der Meister ist mehr als großzügig, er macht es uns total leicht.

Von uns haben sich Alle bis auf einen dafür entschieden, den Meister zu bitten…

Vielleicht schreibe ich euch am Vorweihnachtsabend, sprich morgen nochmal, ansonsten stehe ich gerade ganz dicht vor einem großen Tor und möchte es gespannt und entspannt und voller Freude durchschreiten.

Was auch immer danach kommen möge…

Liebe und Licht,

Jan

P.s. : Falls euch mein Tonfall irritieren sollte oder fremd vorkommt, hier fühlt sich gerade einfach sehr groß an. Meine Füße können zum Glück noch gut die Erde wahrnehmen.

Xian, 6.8.2018

Xian, 6.8.2018

Mein unglaublich toller Zimmerkollege ist Tuinatherapeut und hat gerade ein Schauspiel sonder gleichen erlebt:

Der chinesische Tuinamasseur hat Alles gegeben was er hat, Ellbogen, Knie und ist viel auf mir rumgelaufen. Sah wohl aus, als ob er mit mir surft;-).

Hat zwischenzeitlich doll wehgetan, aber es war auch lustig und das Ergebnis ist spitze.

An 2 Träumen von mir möchte ich euch noch teilhaben lassen:

Gestern war ich mit meinem Zimmerkollegen im Jugendknast eingesperrt. Wir hatten den ersten Tag Umschluß, dass heißt wir durften auf dem Flur die anderen Gefangenen besuchen und hatten Angst davor, weil wir solche Michbubies waren.

Ich habe ihn so verstanden, dass hier öfters das Wort vom Käfig aus Gold fällt und wir beiden die mit Abstand uncoolsten und sich am wenigsten mit Technik Auskennenden sind.

Heute träumte ich, dass der Meister mit mir auf einen Familientreffen war, mit meinen Eltern und Onkels und Tanten. Und wie im wirklichen Leben, war er sehr lustig und hat den Ton angegeben.

Dass sich meine alte und potentiell neue Familie vermischt hat, habe ich Ambivalent aufgenommen. Den Traum aber als ein sehr gutes Zeichen gesehen.

Ansonsten geht hier alles auf die Bai Shi Zeremonie zu, die voraussichtlich am Freitag statt findet. Heute ist ein Xingyi Meister angereist, ein älterer Bruderschüler vom Meister, der unsere Aufnahme in die Traditionslinie bezeugen wird. Andere Zeugen_innen werden auch noch anreisen.

Wir haben heute morgen einen ausführliche Einführung in das was uns erwartet erhalten, und mal abgesehen davon, dass es mit den Chines_innen eh anders kommt als mensch denkt, klang es Alles freundlich, machbar und abgespeckt für uns Langnasen.

Wir bekommen Anzüge gestellt und aufwendige Kalligraphien werden für uns angefertigt.

Ich freue mich schon aufs Wetter zu Hause, hier gehen wir entweder in Kühlschränke oder in Glutöfen und Alle vergessen jedes mal, dass es das Andere auch noch gibt. Und so erleben wir jeden Tag unzählige Male eine Kälte. Bzw Wärmeschock.

Auch die Nächte sind nicht die besten, entweder sehr heiß oder durch die Klimaanlage sehr laut.

Ich bin voller Vorfreude auf die nächsten Tage!

Gehabt euch wohl!

Jan

Xian | 05.08.2018

Ni Hao,

vielen Dank für eure Mails und eure Wertschätzung! Es freut mich sehr, dass meine Worte gut bei euch ankommen.

Ich möchte auf einige Fragen von euch eingehen.

Das mit „Qi ist alles Humbug“, war kein Scherz, deswegen habe ich euch es ja geschrieben, weil ich es sehr bemerkenswert finde.

Zu den Charakterschwächen: Der Meister hat uns erklärt, wie der chinesische Unterricht funktioniert und dass es für uns nicht passend ist. Tobias erzählte Beispiele, die er erleben darf, da er seit 2 Jahren chinesischen Unterricht bekommt.

Die Chines_innen lassen sich eh nicht gerne in die Karten gucken und zu Politik erst recht nicht. Etwas lässt sich aber schon ablesen, wohin ihre Aufmerksamkeit geht, z.B. in Spiele auf dem Handy während der Jahrestagsfeier der Armee.

Gestern Abend gab es eine kleine Party für uns. Dort habe ich mich sehr gut mit einer Mitreisenden unterhalten. Wir haben beide das Bedürfnis, dass das üben nicht bei uns selbst stehen bleiben darf, sondern wir uns wie auch immer zu Dingen verhalten, die um uns herum geschehen. Dadurch angeregt, möchte ich die Herzschulungsformeln mehr in allen Unterricht einfließen lassen.

Außerdem gab es viel Austausch untereinander, über Fragen, Unsicherheiten, Ambivalenzen bezüglich der Annahme in die Traditionslinie. Es war für alle beteiligten klärend und wichtig.

Ich bin wegen einer Massage zu spät gekommen und wurde mit einem Polizeielektrokarren hingebracht;-).

Heute Nachmittag haben wir Kalligraphie geübt und fantastischen Tee getrunken. Plötzlich war viel Qi da.

Ein Kalligraphiemeister hat für jeden von uns die Zeichen „Stilles Herz“ gemalt.

Zum Abendbrot haben ich für mich völlig ungewohnt 3 kostbare Schnäpse getrunken. Dadurch wurde mir noch heißer, die Muskeln entspannten und das Blut floss schneller.

Eigentlich hieß es gestern, dass es ab heute schon morgens um 6 mit dem Unterricht losgehen soll, wegen der Hitze.

Wegen der Party ist es an mir alter Eule zum Glück noch einmal vorbei gegangen.

Die letzten beiden Tage habe ich das Frühstück ausfallen lassen und vorm gemeinsamen üben ab 8, eine Stunde für mich geübt. Das waren gelungene Tagesanfänge.

Die Gruppe wartet darauf mehr Informationen zu Aufnahme als Schüler_innen zu bekommen. Es sieht wohl so aus, als wenn nicht Alle diesen Schritt gehen wollen.

Vielleicht erfahren wir morgen mehr.

So möchte ich es heute in aller kürze stehen lassen.

Allerdings nicht ohne meinen Dank auszusprechen für unseren Kontakt, für euer Vertrauen und dass ihr immer wieder Teile des Weges mit mir beschreitet.

Jan

Xian | 03.08.2018

Ni Hao,

gerade bin ich wieder zurück zu unserer Unterkunft gekommen und habe unseren anstrengendsten Tag hinter mir.

Unglaublich, was uns unsere chinesischen Gastgeber_innen heute zugemutet haben.

Also wir wollten um 8 aufbrechen, dann hieß es 9 um schließlich mit großer Hektik um 7.50 loszufahren; 5 Autos mit je 6 Menschen und getönten Scheiben.

Los ging es mit 2 Ferienwohnung von Meister Lü zu besichtigen, von denen er noch 160 weitere hat.

Dann kam ein Museum älterer Zeit, gefolgt von einem Ausflug in die Berge, wo wir einen Biohühnerhof, wieder von unserem Gastgeber , besichtigt haben und ein Ei gegessen haben;-).

Als nächstes auf einem anderen Berg eine große Grabstätte eines Kaisers, der seine Gefolgsleute, zwischen 100 und 1000 Menschen plus Tiere mit sich lebendig begraben lies.

Nächste Station war ein Dorf auf alt getrimmt, wo wir Mittag gegessen haben und dann durch die Straßen gezogen sind. Ein Genuss für die Nase, alle 2 Meter ein anderer Geruch, dort haben einige von uns Skorpione zu sich genommen. Dort gab es einen reinen Chili Laden, dessen Nähe schon gereicht hat, dass ich nicht mehr aufgehört habe zu husten.

Neben erstem einkaufen, sind wir in einem Teehaus gelandet. Der Tee war toll, wir schütten hier jeden Tag literweise Tee in uns. Mache ich zu hause auch, nur sind dort die Tassen größer;-).

Dabei haben wir noch für 5 Euro eine halbstündige prima Massage bekommen. Während dessen haben 2 DJs mit Opiumpfeifen im Mund Musik gemacht. So wie die getanzt haben, muss aber etwas anderes als Opium in den Pfeifen gewesen sein.

Meine Tattoos waren ein gefragtes Fotomotiv, so wollte sich einer unserer Begleiter unbedingt mit mir mit freiem Oberkörper fotografieren lassen. Fand es schon merkwürdig, auch wenn ich es gemacht habe.

Dabei fällt mir noch ein, dass gestern Abend mein Masseur, 75 Minuten zu spät kam und mich dann für 15 Euro 70 Minuten verwöhnt hat.

China, das Land der Überraschungen, die ganze Zeit.

Nach dem Dorf sind wir in ein Zentrum der Partei gefahren. Da ich in der BRD sozialisiert bin, hat mich dass Ausmaß der Fahnen, Maos etc., irritiert.

Sie haben uns durch unendlich Räume von Fotos geführt, u.A. mit grauenhaften Bildern aus Kriegen zwischen China und Japan. Da war die Massage direkt wieder weg.

Ich würde nie jemand bei uns ohne Hintergrundwissen und Sprachkenntnisse durch eine Ausstellung über die Shoa führen. Ich will es damit nicht politisch vergleichen, sondern nur ein Beispiel von heftigen Bildern nehmen

Ich und einige Andre haben es zum Glück noch relativ früh gemerkt, so dass ich noch weggucken konnte. Das was ich gesehen habe reichte um direkt beim üben im Auto wieder aufzutauchen. Sie haben uns auch einen Film über die Entwicklung Chinas in chinesischer Sprache, mit chinesischen Untertiteln gezeigt…

Wir wurden viel fotografiert und selbstverständlich für Partei Zwecke eingebunden, was hier selbstverständlich ist.

Gerne spreche ich mit euch auch im direkten Kontakt, was ich zum politischen China so denke.

Leider waren zumindest auch einzelne politische Statements aus unserer Gruppe für mich auch nicht grade herzerwärmend.

So bin ich jetzt platt wieder hier, habe noch zweieinhalb Stunden Zeit zum regenerieren von der chinesischen Fülle, bevor ich mich morgen wieder in den Traingsalltag stürze.

Auch so und 40 Grad hatten wir auch und ich weiß nicht, wie viele Stunden wir heute im Auto gesessen haben.

Allerliebste Grüße und ich freue mich gerade euch zu schreiben, denn dadurch kläre ich mich ein wenig, verarbeite und komme wieder mehr bei mir an.

Jan

Xian | 02.08.2018

Salut zusammen,

leider muss ich meine Multimediaeindrücke für euch verschieben, bis ich wieder zurück bin. Habe ein Foto hochgeladen auf meine Website und es hat sehr lange gedauert und weitere Versuche sind gescheitert. Das Netz ist hier nicht so stark.

Vorgestern Abend waren wir in einer Kaligraphieausstellung hier auf dem Gelände. Für mich war es wunderbar die verschiedenen Qi Qualitäten zu spüren, während ein Mitreisender meinte, dass „mit dem Qi ist doch alles Humbug“;-).

Nach wie vor über wir für mich vertraute Basisgeschichten, aber unter einem völlig neuen Blickpunkt. Also komplexe Bewegungen mit differenziertem inneren Geschehen.

Die Schwerpunkte sind dabei bisher das Aufblähen und das Qi sinken lassen. Gestern hat mich das Aufblähen, was ja auch immer zu Tage führt, was sich sonst versteckt hält, doll runter gezogen. Wollte erstmals nach Hause und meine Kinder haben mir gefehlt.

Abends gab es dann eine Feier zum 91 Geburtstag der Volksarmee. Für unseren Geschmack nicht so passend, überlaute Musik mit grellen kulturellen Beiträgen. Gegangen bin ich als eine Frau in Uniform 2 Lieder zum Besten gab, bei denen im Hintergrund auf einer Leinwand gewaltiges Militärspektakel zu sehen war.

Ach so nachmittags waren viel Kaligraphiemeister_innen live in Action zu sehen.

Abends hieß es dann plötzlich, unser Gastgeber möchte uns Kaligraphien schenken. Für manche von uns war es wie Weihnachten. Meine sagt sinngemäß so etwas aus, wie fortwährendes Glück. Damit ist gemeint, dass ich mich nicht über fehlende Dinge beklagen soll, sondern mich an dem erfreuen soll was ist, dann ist das Glück immer da. Das Glas ist also halb voll;-). Ich finde sie sehr passend für mich und sie wird einen Ehrenplatz bei mir bekommen.

Heute erfuhren wir, dass unser Gastgeber Meister Lü, der auch in der Partei hoch angesiedelt ist, noch zwei weitere Orte wie unseren sein Eigentum nennt.

Nachmittags erzählte uns Meister Shen Xijin, wie in China mit den Schüler_innen umgegangen wird, was wohl für uns undenkbar wäre, z.B. eine schonungslose Aufzählung aller Charakterschwächen.

Wir übten 90 Minuten liegend zu wachsen wie ein Baum.

Es war beeindruckend zu spüren, wie mein Körper tatsächlich Stück für Stück wuchs. Währenddessen beobachte ich im inneren viele Situationen aus meiner Kindheit und Jugend in denen meine Leberqistagnation entstand, sprich ich eingefroren bin. Das erstaunliche war, dass es überhaupt nicht unangenehm war, sondern im Gegenteil mich lebendig, kreativ und verspielt gemacht hat. Viele inneren Kinder kamen befreit und erleichtert hervor.

Wie ihr euch vielleicht denken könnt, habe ich eine neue Lieblingsübungen, ach und körperliche Blockaden waren auch wie weg gepustet.

Ich freue mich jetzt noch mehr auf den Grünen Drachen Ende des Monats in der Uckermark.

Verdaut habe ich auch schon mehrmals erfolgreich, manche Mitreisende leider noch nicht.

Und für diejenigen, von euch, die es noch nicht kennen, Klopapier kommt hier aufgrund der dünnen Rohre nicht ins Klo, sondern in einen offenen Eimer daneben, mit der richtigen Seite nach unten;-).

Nach meinem Durchhänger von gestern, bin ich jetzt gerade mehr als Obenauf.

Ich möchte auch ein mal, Wertschätzung für die Postmoderne los werden: Es freut mich sehr, zahlreiche Emails von euch aus vielen unterschiedlichen Regionen zu bekommen!

Morgen machen wir eine Pause, da de Meister meint, Einige von uns seinen müde und so machen wir einen Ausflug und gehen einkaufen.

Von Herzen nur das Beste wünscht;

Jan